Es ist nicht das erste Mal, dass Ameos Tarifverhandlungen ablehnt. Ein ähnlicher Kampf gab es 2014 in der Region Niedersachsen – nachdem Ameos die CBA, die sie bei der Privatisierung der Kliniken geerbt hatten, gekündigt hatte, dauerte es sieben Wochen Streik, bis das Unternehmen wieder eine Vereinbarung unterschrieben hatte. Sie sind auch für umfangreiches Outsourcing und rücksichtslose Umstrukturierung auf dem Rücken ihrer Mitarbeiter bekannt. Ameos will sein Geschäft auf andere europäische Länder ausdehnen. Sie sind in der Schweiz und österreich. Sie suchen nach Möglichkeiten, Gesundheitseinrichtungen zu übernehmen. Die aktuellen Tarifverträge stehen zum Download zur Verfügung: Seit Anfang der 1990er Jahre stehen die Tarifverhandlungen auf Branchenebene zunehmend unter dem Druck der Arbeitgeber, die unternehmensspezifischere Regelungen zu den Arbeitsbedingungen fordern. Als Reaktion darauf haben die Sozialpartner in den letzten Jahren immer mehr «Öffnungsklauseln» in Branchentarifverträgen geschlossen. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts für Wirtschaft und Sozialwissenschaften. Durch die Anwendung einer Öffnungsklausel sind einige Unternehmen in der Lage, bis zu einem gewissen Grad von kollektiv vereinbarten Standards abzuweichen. Insgesamt führen Öffnungsklauseln zu einer weiteren Dezentralisierung der Tarifverhandlungen, die langfristig die Grundlagen des traditionellen deutschen Verhandlungssystems in Frage stellen könnte. Die Folgen für die Mitarbeiter sind jedoch eher unklar. Einerseits geht eine Abweichung von kollektiv vereinbarten Standards manchmal mit begrenzten Arbeitsplatzgarantien einher, zumindest für die Kernbelegschaft.

Andererseits besteht die eindeutige Gefahr, dass Öffnungsklauseln nur einen ersten Schritt hin zu einer dauerhaften Verschlechterung der Arbeitsbedingungen darstellen. Mit der Verlagerung der Verhandlungskompetenz auf die Unternehmensebene werden die Betriebsräte den stabilen Hintergrund von Branchentarifverträgen verlieren und eher den Arbeitgebern ausgeliefert sein, die Druck ausüben, Vereinbarungen über weitere soziale Zugeständnisse zu erzielen. Ein immer häufigeres Instrument bei der Arbeitszeitflexibilisierung ist die Einführung eines «Arbeitszeitkorridors», wie er in der Chemie- oder Textil- und Bekleidungsindustrie vereinbart wurde. Auf der Grundlage der kollektiv vereinbarten Arbeitszeit ermöglicht eine Öffnungsklausel den Unternehmen, ihre Arbeitszeit innerhalb bestimmter Grenzen zu verlängern oder zu verkürzen.